Festsitzende Apparaturen

Multiband-Apparatur

Festsitzende Zahnspangen sind nicht herausnehmbare kieferorthopädische Geräte zur Korrektur von Zahnfehlstellungen. Der festsitzenden Behandlung geht meist eine Vorbehandlung mit herausnehmbaren Apparaturen voraus. Die Multiband-Apparaturen bestehen grundsätzlich aus den sogenannten Brackets, die mithilfe der Adhäsivtechnik mittels Kunststoff an den Zähnen befestigt werden und einem daran befestigten Bogen. Die Brackets und Bögen sind mittlerweile nicht nur in Metall, sondern auch in Keramik erhältlich und somit im Mund kaum noch sichtbar.

Die Behandlung mit einer Multibandapparatur verläuft in fünf Phasen:

  • Nivellierungsphase – horizontale und vertikale Zahnbogenausformung, Derotationen (Ausdrehen verdrehter Zähne)
  • Führungsphase – Bewegung einzelner Zähne in saggitaler und transversaler Richtung, Öffnen oder Schließen des Bisses
  • Kontraktionsphase – Beseitigen saggitaler Stufen, Schließen von Lücken
  • Justierungsphase – Harmonisierung der Zahnbögen, kleine Restkorrekturen
  • Retentionsphase – Halten des erreichten Behandlungsergebnisses

Das Verfahren

Es gibt verschiedene Techniken, die zur Multiband-Behandlung zum Einsatz kommen. Dazu zählen unter anderem die

  • Edgewise Technik
  • Straight-wire-Technik
  • Bioprogressive Technik
  • Begg-Technik
  • Lingualtechnik

Ursprünglich mussten in die Bögen Biegungen eingearbeitet werden – Edgewise-Technik. Über diese Biegungen konnte man steuern, in welche Richtung der Zahn bewegt werden soll. In den 70er Jahren wurden Brackets entwickelt, die die Biegungen überflüssig machten – Straight-wire-Technik. Die notwendigen Informationen wurden ins Bracket integriert. Auf diese Weise konnte sowohl die Behandlungszeit insgesamt als auch die Dauer der einzelnen Behandlungssitzungen verkürzt werden.
Die Straight-wire-Technik ist heute die am weitesten verbreitete Methode.
Im Rahmen der bioprogressiven Technik wird es ermöglicht, Front- und Seitenzähne getrennt voneinander zu bewegen. Diese Form der Behandlung wird daher auch schon vor Abschluss des Zahnwechsels angewendet. Zuerst wird der Frontzahnbereich ausgeformt, nach Durchbruch der Seitenzähne werden diese ebenfalls über Teilbögen in die Behandlung mit einbezogen und erst in der letzten Phase der Behandlung werden durchgängige Bögen zur Harmonisierung der Zahnbögen eingesetzt. Die bioprogressive Technik wird unter anderem angewendet bei Deckbiss, geringem Überbiss in der Front oder frontal leicht offenem Biss.
Mittels Begg-Technik, auch Light- Wire-Technik genannt, werden die Zähne zunächst durch Kippung der Zahnkronen in die gewünschte Position gebracht. Anschließend werden die Wurzeln bewegt und die Zähne damit wieder aufgerichtet. Bei dieser Form der Multiband-Behandlung kommt es durch die Kippung der Wurzeln gegenüber den anderen Techniken vermehrt zu horizontalem Knochenabbau und Wurzelresorptionen.
Die Lingualtechnik zeichnet sich dadurch aus, dass die Brackets von lingual (von hinten), also unsichtbar auf den Zähnen befestigt werden. Aufgrund des etwas ungünstigeren Kraftansatzes dauert die Behandlung etwas länger als die herkömmliche Methode. In den ersten Wochen nach Einsetzten der Brackets kann die Zunge sich daran stören und ein Lispeln kann entstehen. Neben dem kosmetischen Aspekt der Lingualtechnik muss beachtet werden, dass diese Technik bei einem knappen vertikalen Überbiss nicht angewendet werden sollte, da die Gefahr einer weiteren Bissöffnung besteht.

Ihr Nutzen

Welches der oben genannten Verfahren eingesetzt wird, muss individuell vom behandelnden Kieferorthopäden oder kieferorthopädisch tätigen Zahnarzt entschieden werden, um im Ergebnis eine neutrale Verzahnung, eine optimale Funktion und eine ansprechende Ästhetik zu erzielen.

Die Pflege der Zähne und der festsitzenden Metallteile erfordert jedoch mehr Zeit und Gewissenhaftigkeit, wird aber auch seitens der Zahnarztpraxis sehr intensiv mitbetreut. Die darin ausgebildete Prophylaxehelferin zeigt den Kindern und Jugendlichen genau, wie und mit welchen Hilfsmitteln Zähne und festsitzende Metallteile optimal gereinigt werden können.

Der Lohn für solche Mühen besteht jedoch in einem gesunden Gebiss mit tadellos schön stehenden Zähnen und zahlt sich somit allemal aus.


:: zurück | artikel drucken ::