Prophylaxe Fissurenversiegelung

Die Fissurenversiegelung dient dem Schutz der Zahnoberfläche gegen die Kariesbakterien durch eine dünne und undurchlässige Kunststoffschicht. Denn gerade die Kauflächen mit ihren Grübchen, den sogenannten Fissuren, sind eine Hauptangriffsstelle (Prädilektionsstelle) für Karies, da sie aufgrund ihrer Form nur sehr schwer zu reinigen sind und damit einen idealen Nährboden für Mikroorganismen darstellen.
Bei der Fissurenversiegelung wird die Zahnoberfläche zuerst durch Watterollen und Speichelzieher oder durch Kofferdam trockengelegt. Dadurch wird die zu versiegelnde Zahnoberfläche vor Kontamination durch den Speichel geschützt. Danach wird die Zahnoberfläche mittels einer 35%igen Phosphorsäure (im Bild blau) gereinigt. Nach einer Einwirkzeit von circa 30 Sekunden wird die Phosphorsäure wieder abgesprüht.

Dann erfolgt die Applikation des Fissurenversiegelers, einem Kunststoff, der entweder milchig weiß oder durchsichtig ist und - je nach Hersteller - Fluoride abgeben kann. Der Versiegeler wird auf der Zahnoberfläche gleichmäßig verteilt und dann mit einer Polymerisationslampe für 20 bis 40 Sekunden ausgehärtet. Nach der Überprüfung auf Randschluss und etwaige Störkontakte ist der Zahn fertig versiegelt und über Jahre hinweg besser gegen Karies geschützt. 

Fissurenversiegelungen sollen im Idealfall vier bis sechs Monate nach dem Durchbruch des bleibenden Zahnes erfolgen. Aber auch bei Erwachsenen stellt die Fissurenversiegelung eine sinnvolle Maßnahme zur Vorbeugung gegen Karies dar, wird aber ab dem 18. Lebensjahr und an den kleinen Backenzähnen nicht von den Krankenkassen bezahlt.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

Die klinische Sicherheit der Fissurenversiegelung wird aus verschiedenen Gründen durchaus kontrovers diskutiert. So kann beispielsweise eine klinisch verborgene Karies  unter einem opaken (undurchsichtigen) Versiegler länger unbemerkt fortschreiten als ohne Versiegelung. Auch kann ein Teilverlust der Versiegelung zur erhöhten Kariesanfälligkeit der Kaufläche beitragen, anstatt deren Entstehung zu verhindern. Daher sollte die Indikationsstellung mit Einschränkungen auf jene Fälle erfolgen, bei denen mit der Entstehung einer Fissurenkaries erfahrungsgemäß zu rechnen ist:
  • kariesfreie Fissuren und Grübchen mit ungünstiger Morphologie (Oberflächenstruktur)
  • bei Fissuren mit unproblematischer Oberflächenstruktur, wenn die Mundhygiene des Patienten, bedingt z. B. durch manuelle oder mentale Defizite, erschwert ist
  • erhöhtes Kariesrisiko  z. B. bei bereits bestehender Glattflächenkaries
  • erhöhtes Kariesrisiko bei Xerostomie (Mundtrockenheit)
  • andere Ursachen erhöhten Kariesrisikos
Vorzugsweise werden die Molaren (großen bleibenden Backenzähne) versiegelt, jedoch kann die Indikation bei entsprechendem Kariesrisiko durchaus auf die Prämolaren (kleinen bleibenden Backenzähne), die Grübchen der Schneidezähne und die Molaren der ersten Dentition (Milchmolaren) ausgeweitet werden.

Vor dem Verfahren ist der Patient mit einer adäquaten Zahnputztechnik vertraut zu machen. Dabei muss auch deutlich gemacht werden, dass eine Versiegelung vom Patienten nicht als Ersatz für Mundhygienemängel angesehen werden darf, da der Zahn lediglich auf der Kaufläche, nicht aber in den ebenfalls sehr kariesanfälligen Approximalräumen (Zahnzwischenräumen) versiegelt wird und auch Randkaries an der Fissurenversiegelung möglich ist.

Mögliche Komplikationen

  • Teilverlust des Versiegelungsmaterials (z. B. durch Feuchtigkeitszutritt während des Verfahrens oder nicht ausreichende Konditionierung)
  • Blasen im Versiegelungsmaterial: wenn sofort sichtbar, ist Ausbesserung möglich. Werden sie erst im Verlauf der Tragezeit durch Abnutzung freigelegt, erfolgt bakterielle Besiedelung
  • mangelnde Compliance (Mitarbeit) des Patienten hinsichtlich der Kontrolltermine: Teilverluste werden zu spät diagnostiziert: Randkaries
  • mangelnde Compliance des Patienten hinsichtlich der Zahnputztechnik: der zwar auf der Kaufläche dank Versiegelung besser vor Karies geschützte Zahn erkrankt dennoch an Approximalkaries (Zahnzwischenraumkaries)

Kontraindikatoren (Gegenanzeigen)

  • Applikation des Versiegelungsmaterials über bestehender Fissurenkaries
  • Trockenlegung unmöglich

Broschüren als Download

Fissurenversiegelung Fissurenversiegelung (120,0 kB)

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